Welche App passt zu mir?
Das hängt von einer Frage ab, die die meisten nicht stellen, bevor sie zur Arztpraxis gehen: Welche Diagnose habe ich bereits – oder vermute ich? Jede dieser Apps ist für einen konkreten medizinischen Anwendungsbereich zugelassen. Eine DiGA gegen Schlafstörungen hilft nicht bei Rückenschmerzen – und umgekehrt. Die Entscheidung beginnt also nicht mit „welche App ist besser“, sondern mit „welche Diagnose passt zu mir“.
Im ersten Artikel hast du gesehen, was diese Apps im Alltag leisten können: Sie passen ein Therapieprogramm täglich an deine Rückmeldungen an, sie führen ein Schlaftagebuch das sich mit deinem Rhythmus mitbewegt, sie trainieren kognitive Funktionen auf dem Niveau das du heute mitbringst. Aber nicht jede dieser Apps ist dasselbe – und wer die falsche wählt, hat nach der zweiten Sitzung ein Enttäuschungserlebnis das mit der App nichts zu tun hat. Deshalb steht vor dem Vergleich eine Frage die viele überspringen.
Die entscheidende Frage zuerst: Welche Diagnose bringt du mit?
DiGA-Apps sind Medizinprodukte, keine allgemeinen Wellness-Anwendungen. Das bedeutet: Jede App ist für eine oder mehrere konkrete Diagnosen zugelassen – und nur für diese. Eine App für Rückenschmerzen bekommst du nicht, wenn du Schlafprobleme hast, und umgekehrt. Das ist keine Schwäche des Systems, sondern sein Versprechen: Der Nutzen jeder App muss wissenschaftlich für genau diese Diagnose nachgewiesen sein, bevor die Krankenkasse bezahlt. Die praktische Konsequenz ist: Du brauchst zuerst eine Diagnose – entweder schon vorhanden oder beim nächsten Arzttermin zu klären. Erst dann folgt die Frage welche App für diese Diagnose die richtige ist.
Wer mit diffusen Beschwerden eine App wählt die für eine andere Diagnose entwickelt wurde, wird nach zwei Wochen frustriert sein – nicht weil die App schlecht ist, sondern weil sie für eine andere Situation gebaut wurde. Der erste Schritt ist immer der Arzttermin zur Diagnosestellung. Erst danach lohnt sich der Vergleich der Apps.
Die Apps im Vergleich
ViViRA – für Rückenschmerzen, mit einem klaren Vorbehalt beim Einsatz
ViViRA ist die meistverordnete DiGA bei Rückenschmerzen in Deutschland und dauerhaft im BfArM-Verzeichnis gelistet. Die App passt ihr Trainingsprogramm täglich auf Basis von Rückmeldungen an: Vier Übungen pro Einheit, rund 15 Minuten, angepasst an Schmerzintensität und Tagesform. Eine randomisiert kontrollierte Studie zeigte eine stärkere Schmerzreduktion als allgemeine Krankengymnastik im Versorgungsalltag. Kein Equipment nötig – Matte und Stuhl genügen.
Was ViViRA nicht kann: Die App ist ausschließlich für nicht-spezifische Kreuzschmerzen und Wirbelsäulenarthrose (Osteochondrose) zugelassen. Bei Bandscheibenvorfällen, akuten neurologischen Symptomen wie Kribbeln oder Taubheit in den Beinen oder nach Rückenoperationen ist sie nicht geeignet – hier muss zuerst der Orthopäde entscheiden. Wer auf diese Diagnosen wartet oder sie hat, braucht einen anderen Weg.
somnio – für Schlafstörungen, mit einem wichtigen Unterschied zu Schlaftracking-Apps
somnio ist die erste zugelassene DiGA gegen Schlafstörungen und dauerhaft im BfArM-Verzeichnis gelistet. Die App basiert auf kognitiver Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I), dem wissenschaftlich am besten belegten Verfahren bei Schlafproblemen. Sie führt ein tägliches Schlaftagebuch, wertet Einschlaf- und Aufwachzeiten aus und kalibriert Schlaf-Wach-Zeiten schrittweise neu. Eine klinische Studie zeigte eine Reduktion der Insomnie-Symptome um 50 Prozent, mit Effekten die nach 12 Monaten stabil blieben. Die Daten werden auf deutschen Servern (IONOS, Serverstandort Deutschland) gespeichert und 30 Tage nach Ablauf der Lizenzdauer gelöscht.
Der wichtige Unterschied zu normalen Schlaf-Tracker-Apps: somnio behandelt die Ursache der Schlafstörung – nicht nur die Symptome. Sie ist jedoch ausschließlich für nicht-organische Insomnie zugelassen, also für Schlafprobleme die nicht durch körperliche Ursachen wie Schlafapnoe entstehen. Wer nachts Atempausen oder lautes Schnarchen bemerkt, sollte zuerst einen Schlafmediziner aufsuchen.
memodio – für leichte kognitive Störung und Demenz, mit einem wichtigen Hinweis zur Zulassung
memodio ist seit dem 27. Dezember 2025 die erste DiGA speziell für Menschen mit leichter kognitiver Störung (MCI) oder beginnender Demenz. Das Programm kombiniert Gehirntraining, Bewegungsübungen, Ernährungsanpassung und soziale Aktivierung – alles angepasst an das aktuelle kognitive und körperliche Leistungsniveau der Nutzenden. Eine randomisiert-kontrollierte Studie mit 140 Teilnehmenden bildet die Grundlage der Zulassung. Die App richtet sich explizit an Menschen ab 50 Jahren.
Hier ist Ehrlichkeit wichtig: memodio ist vorläufig zugelassen – das bedeutet, die Wirksamkeit muss in einer weiteren Studie endgültig belegt werden. Das ist keine Ausnahme, sondern ein Standardweg im deutschen DiGA-System: Viele Apps beginnen mit vorläufiger Zulassung und werden nach abgeschlossenem Wirksamkeitsnachweis dauerhaft aufgenommen. Für den Nutzer bedeutet das: Die Krankenkasse übernimmt die Kosten, aber der endgültige Wirksamkeitsnachweis steht noch aus.
Vergleich auf einen Blick
| App | Diagnose (Voraussetzung) | Zulassung | Plattform | Kosten für dich | Server |
|---|---|---|---|---|---|
| ViViRA | Kreuzschmerzen, Wirbelsäulenarthrose | Dauerhaft (seit 02/2022) | iOS, Android | 0 € (GKV) [SCOUT PRÜFEN: aktueller Listenpreis] | Deutschland |
| somnio | Nicht-organische Insomnie | Dauerhaft (seit 10/2020) | iOS, Android, Browser | 0 € (GKV) [SCOUT PRÜFEN: aktueller Listenpreis] | Deutschland (IONOS) |
| memodio | Leichte kognitive Störung, Demenz | Vorläufig (seit 12/2025) | iOS, Android | 0 € (GKV) [SCOUT PRÜFEN: aktueller Listenpreis] | Deutschland (Potsdam) |
Preisangaben: Alle drei Apps werden von gesetzlichen Krankenkassen vollständig erstattet. Die genauen Listenpreise (die die Krankenkasse bezahlt, nicht du) können sich durch Preisverhandlungen ändern – aktuelle Preise im BfArM-Verzeichnis unter diga.bfarm.de prüfen. Stand: März 2026.
Datenschutz: Was das in der Praxis bedeutet
Alle drei Apps speichern Daten auf deutschen Servern und müssen als DiGA die strengen Datenschutzanforderungen der DiGAV erfüllen – das ist eine gesetzliche Pflichtvoraussetzung für die BfArM-Zulassung. Das bedeutet konkret: DSGVO-Konformität, Verschlüsselung, und das Recht auf Datenlöschung. Für ViViRA und somnio sind das langjährig nachgewiesene Standards; bei memodio ist die Zulassung erst seit Ende 2025 aktiv. Da du in diesen Apps Gesundheitsdaten einträgst – Schmerzniveaus, Schlafmuster, kognitive Tests – gilt: Nutze ausschließlich Apps mit Freischaltcode über die Krankenkasse, nicht Drittanbieter-Versionen ohne DiGA-Status. Die offizielle Datenschutzerklärung jeder App ist über das BfArM-Verzeichnis abrufbar.
Welche App passt zu deiner Situation?
ViViRA ist sinnvoll, wenn du eine ärztliche Diagnose für nicht-spezifische Kreuzschmerzen oder Wirbelsäulenarthrose hast und dein Rückentraining strukturiert und täglich angepasst fortführen willst – ohne Physiotherapietermine abwarten zu müssen.
somnio ist sinnvoll, wenn du unter Ein- oder Durchschlafstörungen leidest, die nicht durch Schlafapnoe oder andere körperliche Ursachen erklärt werden, und ein strukturiertes Programm suchst das den Schlaf-Wach-Rhythmus langfristig neu kalibriert statt nur Entspannungsaudio abzuspielen.
memodio ist sinnvoll, wenn du oder ein Angehöriger eine ärztlich diagnostizierte leichte kognitive Störung oder beginnende Demenz hat und ein alltagstaugliches Programm gesucht wird das kognitive Funktion und Selbstständigkeit aktiv unterstützt – mit dem Wissen dass der endgültige Wirksamkeitsnachweis noch aussteht.
Was als nächstes kommt
Für jede dieser Apps gibt es einen eigenen Artikel der zeigt wie du die App einrichtest, was dich in den ersten Sitzungen erwartet und wo es am Anfang typischerweise klemmt – damit du nicht nach der zweiten Woche aufgibst weil etwas nicht so funktioniert wie erwartet. Außerdem werden dort Kosten und Datenschutz vollständig mit aktuellen Quellenbelegen dargestellt.
