KI-Helfer
Zwei Smartphones nebeneinander auf einem Holztisch auf dem Balkon, daneben eine gefaltete Zeitung und eine Teetasse

Seeing AI und Be My Eyes holen Kleingedrucktes unterschiedlich aus dem Bild.

Seeing AI und Be My Eyes holen Kleingedrucktes unterschiedlich aus dem Bild.

Seeing AI liest wie eine sprechende Kamera vor, Be My Eyes beschreibt Fotos und holt auf Wunsch einen Menschen per Video dazu. An drei Situationen siehst du, welche App zu dir passt.

Sehhilfe-Apps

Kurz & bündig

Frage:
Worin unterscheiden sich Seeing AI und Be My Eyes?
Antwort:
Seeing AI ist eine sprechende Kamera: Sie führt dich zum Text und liest ihn vor, dazu beschreibt sie Fotos. Be My Eyes beschreibt ein Foto mit KI und beantwortet Fragen, oder ein Freiwilliger sieht per Video mit. Beide kosten nichts und laufen auf Deutsch; Be My Eyes setzt laut Nutzungsbedingungen voraus, dass du blind oder sehbehindert bist (Stand: Oktober 2026).

Die Speisekarte liegt im Kerzenlicht, die Schrift verschwimmt, und du willst wissen, was davon vegetarisch ist. Dein Handy kann dabei schon einiges. Zwei Apps gehen weiter, und zwar auf ganz verschiedenen Wegen: Seeing AI und Be My Eyes.

Beide sind für blinde und sehbehinderte Menschen gebaut. Sie helfen auch, wenn die Sehkraft nur langsam nachlässt, aber bei einer der beiden gibt es dafür eine Einschränkung. Dazu gleich mehr.

Zwei Apps, zwei Ideen.

Seeing AI von Microsoft ist eine sprechende Kamera. Die App hat drei Reiter: Lesen, Beschreiben und Mehr. Im Reiter Lesen liest sie Text vor, sobald er im Kamerabild erscheint, und bei ganzen Seiten führt sie dich per Ton, bis das Blatt vollständig im Bild ist. Im Reiter Beschreiben macht sie ein Foto und beschreibt es ausführlich, und du kannst Fragen dazu stellen. Unter Mehr liegen die Spezialhilfen: Geldscheine, Barcodes, Farben und Licht.

Be My Eyes hat zwei Wege. Der erste heißt Be My AI: Du machst ein Foto, eine KI beschreibt es, und du fragst nach. Der zweite ist der Videoanruf: Ein Freiwilliger sieht über deine Kamera mit und spricht mit dir. Die Helfer sprechen über 180 Sprachen, nach 15 bis 30 Sekunden meldet sich meist jemand.

Kurz gesagt: Seeing AI ist das Werkzeug zum Lesen. Be My Eyes ist die Hilfe, wenn du eine Antwort oder einen Menschen brauchst.

Die drei Situationen im Vergleich.

Beim Beipackzettel willst du vor allem zuhören. Hier passt Seeing AI besser: Du legst das Blatt flach hin, die App führt dich per Ton, bis die Seite im Bild ist, und liest dann vor. Be My AI ist laut Nutzungsbedingungen nicht für Medikamente gedacht, dort verlässt du dich also nicht auf die Antwort.

Bei der Speisekarte kommt die Rückfrage ins Spiel. Bei Be My Eyes fotografierst du die Karte, bekommst die Beschreibung und fragst nach, zum Beispiel welche Gerichte vegetarisch sind. Kommt die KI nicht weiter, sieht auf Wunsch ein Mensch per Video auf die Karte. Seeing AI kann im Reiter Beschreiben ebenfalls nachfragen. Ob das auf Deutsch klappt, probierst du am besten selbst aus: Für Android nennt der Play-Eintrag es für alle unterstützten Sprachen, für das iPhone nennt Microsoft nur Englisch. Bei Allergien fragst du immer die Bedienung.

Ein altes Foto beschreiben beide, und du kannst nachfragen. Wie gut die deutsche Beschreibung ausfällt, siehst du am besten an einem Foto, das du schon kennst.

Kosten, Sprache und deine Fotos.

Beide Apps stammen aus den USA, laufen aber auf Deutsch. Seeing AI gibt es laut Microsoft in 19 Sprachen und erkennt deutschen Text; einzelne Menübegriffe spricht die Stimme laut Nutzerbewertungen im Play Store teils englisch. Bei Be My Eyes wählst du Deutsch als Hauptsprache. Die KI beschreibt Fotos laut Praxisberichten auf Deutsch, in der Liste der 36 Antwortsprachen, die der Hersteller nennt, steht Deutsch allerdings nicht ausdrücklich. Beim Videoanruf verbindet dich die App mit einem Freiwilligen, der deine Sprache spricht, tagsüber nach dessen Ortszeit.

AppAnbieterKostenFür wen gedachtSpracheDeine Fotos
Seeing AIMicrosoft, USAKostenlos, iPhone und AndroidMit und für blinde und sehbehinderte Menschen entwickeltApp und Vorlesen auf Deutsch; Nachfragen auf Android in allen App-Sprachen, auf dem iPhone offenMicrosoft nennt „Cloud und KI“, den Serverstandort nicht
Be My EyesAccessibly Inc., USAKostenlos, iPhone und Android; Werbung laut Nutzungsbedingungen möglichBlinde und sehbehinderte Menschen ab 18; Konto nötigApp auf Deutsch; KI-Beschreibung laut Praxisberichten auf Deutsch; Helfer in über 180 Sprachen, auch DeutschKI-Fotos an einen KI-Anbieter in den USA, Löschung nach 60 Tagen

Stand: Oktober 2026 (abgerufen am 22. Oktober 2026), nach App-Stores, Herstellerseiten, Datenschutzerklärung und Nutzungsbedingungen.

Bei Be My Eyes fragt die App bei der Anmeldung, ob du Hilfe suchst oder helfen willst. Die Nutzungsbedingungen erlauben die Hilfe blinden und sehbehinderten Menschen und verbieten ausdrücklich, sich als sehbehindert anzumelden, wenn man es nicht ist. Schränkt deine Sehkraft dich im Alltag spürbar ein, gehörst du dazu; im Zweifel fragst du den Support der App. Bei Seeing AI nennt Microsoft keine solche Bedingung.

Für die KI-Beschreibung geht dein Foto bei beiden Apps ins Internet. Be My Eyes sagt dazu mehr: Fotos und Fragen gehen an einen KI-Anbieter in den USA und werden nach 60 Tagen gelöscht. Trainiert wird damit laut Datenschutzerklärung keine KI, doch die Nutzungsbedingungen erlauben, Bilder zur Verbesserung von Be My AI zu nutzen. Beim Videoanruf sieht ein fremder Mensch, was deine Kamera zeigt; der Anruf ist für beide Seiten anonym. Microsoft schreibt bei Seeing AI nur, die App nutze „die Kraft der Cloud und von KI“, und nennt keinen Serverstandort.

Die Faustregel gilt für beide: Fotografiere nur, was jeder sehen darf. Den Brief vom Arzt mit deinem Namen, die Versichertenkarte oder den Kontoauszug lässt du aus dem Bild.

Worauf du bei beiden Apps achtest.

Bei kleiner oder glänzender Schrift kann in beiden Apps einmal eine Zeile fehlen oder eine Zahl falsch klingen. Dagegen helfen drei einfache Handgriffe: Lass dir den Text wörtlich vorlesen, statt ihn zusammenfassen zu lassen. Frag bei einer Beschreibung nach, wo auf der Packung etwas steht. Und lass wichtige Zahlen ein zweites Mal vorlesen. Bei Be My Eyes holst du dir außerdem auf Wunsch einen Menschen per Video dazu. Bei Tabletten bleibt der gedruckte Text dein Maßstab, bei Fragen hilft die Apotheke.

Welche App zu dir passt.

Willst du vor allem vorgelesen bekommen, etwa einen langen Beipackzettel, spricht mehr für Seeing AI. Willst du zu einem Foto nachfragen oder einen Menschen mitsehen lassen, spricht mehr für Be My Eyes, sofern deine Sehkraft dich wirklich einschränkt. Siehst du noch recht gut und suchst nur öfter die Brille, probierst du zuerst aus, was dein Handy schon kann. Auf Android gibt es außerdem Google Lookout, dessen Bildbeschreibung laut Google nur auf Englisch funktioniert.

Nimm dasselbe Blatt Papier zweimal zur Hand: einmal mit der Vorlesefunktion, die dein Handy ohnehin hat, einmal mit der App. So merkst du selbst, was dir leichter fällt, und behältst nur das.

Quellen (abgerufen am 22. Oktober 2026): Seeing AI, Herstellerseite · Seeing AI, App Store · Seeing AI, Play Store · Microsoft, Seeing AI · Be My Eyes, Datenschutz · Be My Eyes, Nutzungsbedingungen · Be My Eyes, Hilfe zum Videoanruf · Be My Eyes, Hilfe zu Be My AI · Be My Eyes, App Store · Google, Lookout

Diese Serie
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