Pl@ntNet: kostenlos, werbefrei, aus der Wissenschaft

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Pl@ntNet: Wildpflanzen und heimische Stauden erkennen – kostenlos, werbefrei, aus der Wissenschaft

Kurz & bündig
Was ist Pl@ntNet?
Pl@ntNet ist eine kostenlose App zur Pflanzenbestimmung, die von einem Verbund französischer Forschungseinrichtungen entwickelt wird. Foto machen, Pflanzenteil auswählen, Ergebnis erhalten – fertig. Die App läuft auf Smartphone und Tablet (iOS und Android) sowie im Webbrowser. Der Einstieg ist vollständig kostenlos, ohne Abo und ohne Werbung.

Hinter Pl@ntNet stehen keine Programmierer aus dem Silicon Valley, sondern Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der französischen Forschungseinrichtungen Cirad, INRA, Inria und IRD, finanziert durch die Stiftung Agropolis. Das ist kein Detail am Rand – es erklärt warum die App so ist wie sie ist: zweckorientiert, werbefrei und mit einem klaren Fokus auf Wildpflanzen und europäische Flora. Wer die App öffnet, bekommt keine Kaufaufforderungen und keine Premium-Banner. Sie wird über Fotos gesteuert: ein Bild eines Pflanzenteil, dann liefert das Modell Vorschläge mit Trefferwahrscheinlichkeit.

Wo Pl@ntNet beeindruckt

Die Stärke der App liegt dort, wo kommerzielle Alternativen schwächeln: bei heimischen Wildpflanzen, Wiesenkräutern, Bäumen und Sträuchern der europäischen Flora. Die Datenbank umfasst rund 20.000 Arten, davon ein großer Teil mit regionalem Bezug zu Mitteleuropa. Wer im Garten, auf der Wiese oder beim Spaziergang auf eine unbekannte Pflanze stößt, bekommt hier verlässliche Ergebnisse. Ein weiterer Vorteil: Die App hat seit 2025 einen Offline-Modus mit dem aktuellen Identifikationsmodell, sodass auch ohne Internetverbindung eine grundlegende Bestimmung möglich ist. Und: Alle hochgeladenen Beobachtungen fließen in ein offenes Forschungsprojekt zur Artenvielfalt ein – wer die App nutzt, trägt gleichzeitig zur Wissenschaft bei.

Wo die Grenzen liegen

Pl@ntNet ist ausdrücklich keine App für Zierpflanzen aus dem Gartencenter. Im Google-Play-Eintrag steht es direkt: Die Anwendung erlaubt es gegenwärtig nicht, Zierpflanzen zu bestimmen. Wer also wissen möchte wie die Pelargonie auf dem Balkon heißt oder welche Düngung der Kirschlorbeer aus dem Baumarkt braucht, ist hier falsch. Genauso fehlen Pflegetipps, Gießerinnerungen, Krankheitsdiagnosen und alle Funktionen die über das reine Erkennen hinausgehen. Auch bei ähnlich aussehenden Arten – etwa bei jungen Blättern ohne Blüte oder bei Gräsern – kommt es zu Fehlbestimmungen, besonders wenn das Foto unscharf oder aus ungünstigem Winkel aufgenommen wurde.

Im Vergleich

Während Apps wie PictureThis oder Gardenize besonders gut für Gartenpflanzen, Pflegetipps und Dokumentation geeignet sind, überzeugt Pl@ntNet vor allem dort, wo heimische Wildpflanzen und europäische Arten bestimmt werden sollen – und wo die Nutzung kostenfrei und datenschutzfreundlich bleiben soll.

So sieht das in der Praxis aus

Der Gartenpfleger mit dem unbekannten Bestand

Ein selbstständiger Gartenpfleger übernimmt die Betreuung eines neuen Kunden, dessen Garten gewachsener Bestand ist – vieles wächst dort seit Jahren, ohne dass jemand noch weiß, was es ist. Ein älterer Zierstrauch, mehrere Stauden am Nordrand, ein krautiger Bereich hinter dem Kompost. Ohne Namen keine Pflegeanleitung, ohne Pflegeanleitung kein professioneller Einsatz.

Er fotografiert die Pflanzen direkt vor Ort. Für die einheimischen Stauden, Sträucher und das Wildkraut liefert Pl@ntNet Namen und Artbeschreibung. Mit diesen Informationen kann er dem Kunden sagen, was dort wächst, welcher Schnittzeitpunkt sinnvoll ist und ob etwas Invasives dabei ist. Was er in einem Gartenführer erst suchen müsste, hat er innerhalb weniger Minuten.

Die Naturschutzgruppe im Ortsverein

Ein kleiner Umweltschutzverein plant, eine Brache am Ortsrand als Blühwiese zu gestalten. Bevor gepflanzt wird, soll dokumentiert werden was dort bereits wächst – manches davon könnte schützenswert sein. Die Mitglieder sind engagiert, aber keine Botaniker. Bisher hat man einfach gemäht, ohne zu wissen ob dabei seltene Arten verschwinden.

Mit Pl@ntNet fotografiert die Gruppe systematisch durch die Fläche und lädt Beobachtungen hoch. Die App ordnet die Funde ein, zeigt Häufigkeit und Verbreitung an. Zwei Orchideenarten und eine Kuckuckslichtnelke tauchen in den Ergebnissen auf – Pflanzen die bei einer routinemäßigen Mahd verloren gegangen wären. Die dokumentierten Beobachtungen gehen direkt ins Citizen-Science-Projekt ein und sind für lokale Naturschutzbehörden zitierbar.

Der Spaziergang, der zur Entdeckung wird

Auf einem Waldspaziergang mit den Enkeln fragen die Kinder was das für Beeren sind am Wegesrand, ob man sie essen darf und wie die Pflanze heißt. Früher hat man geraten, beschwichtigt oder hinterher im Internet gesucht. Die Antwort kam nicht im Moment, in dem die Neugier da war.

Mit Pl@ntNet ein Foto des Zweigs, der Blätter und der Beeren – das Ergebnis zeigt Schwarzen Holunder, mit dem Hinweis dass unreife Beeren giftig sind und reife nur gekocht verträglich. Die Kinder lernen einen Namen, verstehen warum man nicht einfach probiert und gehen mit einem kleinen Wissensschatz nach Hause. Pl@ntNet macht aus einem Ausflug eine Erfahrung.

So fängst du an: Erste Schritte mit Pl@ntNet

  1. App herunterladen und Konto anlegen:
    Pl@ntNet ist kostenlos im App Store (iOS) und bei Google Play (Android) verfügbar. Ein Konto ist für die Grundfunktion nicht zwingend nötig – wer aber Beobachtungen speichern und zum Forschungsprojekt beitragen möchte, legt ein kostenloses Konto über die App oder unter identify.plantnet.org an. Keine Kreditkarte, kein Abo.
  2. Flora auswählen:
    Beim ersten Start fragt die App nach einer bevorzugten Flora. Für den DACH-Raum empfiehlt sich „Europa“ oder „Wildpflanzen Westeuropas“. Diese Einstellung verbessert die Trefferquote für heimische Arten erheblich. Die Auswahl lässt sich jederzeit unter den Einstellungen ändern.
  3. Erste Bestimmung starten:
    Auf der Startseite den grünen Kamera-Button tippen. Dann das Pflanzenteil auswählen – Blatt, Blüte, Frucht, Rinde oder Ganzes. Wichtig: nur ein Pflanzenteil pro Foto, möglichst vor neutralem Hintergrund. Dann fotografieren oder ein Bild aus der Galerie hochladen.
  4. Ergebnis lesen:
    Die App zeigt eine Liste von Arten mit prozentualen Trefferwahrscheinlichkeiten. Der erste Treffer ist meist der wahrscheinlichste, aber nicht immer der richtige. Tippt man auf einen Vorschlag, öffnet sich eine Artkarte mit Fotos, Verbreitung und botanischer Beschreibung.
  5. Beobachtung speichern oder teilen:
    Wer ein Konto hat, kann die Beobachtung mit dem Button „Beitrag“ speichern. Sie erscheint dann im eigenen Profil und fließt in die globale Forschungsdatenbank ein. Export als Fotoliste ist ebenfalls möglich.

Das verwirrt am Anfang – und so löst du es

Das Ergebnis zeigt viele Optionen und keine klare Antwort
Pl@ntNet gibt keine einzige Antwort, sondern eine Rangfolge mit Prozentwerten. Das ist kein Fehler, sondern Absicht: Die App zeigt Wahrscheinlichkeiten, keine Gewissheiten. Wenn die erste Option über 70 % liegt und die Vergleichsfotos ähnlich aussehen, kann man der Bestimmung gut vertrauen. Liegt die höchste Option unter 40 %, lohnt es sich ein weiteres Foto eines anderen Pflanzenteils aufzunehmen – Blüte statt Blatt oder umgekehrt.
Zierpflanzen aus dem Garten werden nicht erkannt
Pl@ntNet ist für Wildpflanzen optimiert und erkennt viele kultivierte Gartenpflanzen, Zimmerpflanzen und Züchtungen nicht zuverlässig. Wer eine Pelargonie, eine gezüchtete Rose oder eine exotische Zimmerpflanze bestimmen möchte, bekommt hier entweder kein Ergebnis oder ein falsches. Für Gartenpflanzen aus dem Handel ist PictureThis die besser geeignete Alternative.
Die App fragt nach dem Standort – muss ich das zulassen?
Pl@ntNet bittet beim Start um Standortzugriff, um Beobachtungen geografisch zu verorten und die Biodiversitätsdaten regional zuzuordnen. Das ist für das Forschungsprojekt nützlich, aber keine Pflicht. Man kann die Standortfreigabe ablehnen und die App trotzdem vollständig nutzen. Wer den Standort nicht teilen möchte, tippt bei der Abfrage einfach auf „Ablehnen“.

Kosten und Datenschutz

Kosten
Pl@ntNet ist vollständig kostenlos – kein Abo, keine Premium-Version, keine Werbung. Es gibt keine Einschränkungen bei der Anzahl der Bestimmungen. Die App wird durch öffentliche Fördergelder der beteiligten Forschungseinrichtungen und der Stiftung Agropolis finanziert.
(Stand: 03/2026, Quelle: plantnet.org)
Datenschutz
Pl@ntNet wird von Cirad und den beteiligten Forschungseinrichtungen in Frankreich betrieben – Daten werden auf europäischen Servern verarbeitet und unterliegen der DSGVO. Ohne Konto werden keine persönlichen Daten gespeichert; hochgeladene Fotos fließen anonym in die Forschungsdatenbank ein. Mit Konto werden E-Mail-Adresse und Beobachtungen gespeichert. Standortdaten werden nur mit ausdrücklicher Zustimmung erfasst. Für reine Pflanzenbestimmungen ohne Konto ist die Datenschutzsituation unter den hier verglichenen Apps am unkompliziertesten.
(Quelle: Pl@ntNet Datenschutzdokumentation)

Was ist neu?

Offline-Modus mit Identifikationsmodell 2025
Seit dem Update Anfang 2025 enthält Pl@ntNet einen vollständigen Offline-Modus mit dem aktuellen KI-Identifikationsmodell. Damit lassen sich Pflanzen auch ohne Internetverbindung bestimmen – nützlich im Wald, auf abgelegenen Wanderwegen oder in Gebieten mit schlechtem Empfang.Quelle: Apple App Store – Pl@ntNet Versionshinweise, Januar 2025

Gruppen-Funktion für gemeinsame Beobachtungen
Seit 2025 können Nutzerinnen und Nutzer Gruppen anlegen und Beobachtungen gemeinsam teilen – etwa für einen Gartenverein, eine Schulklasse oder eine Naturschutzgruppe. Mitglieder einer Gruppe sehen gegenseitig ihre Beobachtungen und können sie kommentieren.Quelle: Apple App Store – Pl@ntNet Versionshinweise, 2025

Recherche-Stand: März 2026

Offizielle Links

Website: Pl@ntNet – Offizielle Website
Kostenlos anmelden: Pl@ntNet – Registrierung
Dokumentation & Anleitung: Pl@ntNet – Erste Schritte
Datenschutz: Pl@ntNet – Daten und Datenschutz

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