Welche App passt zu mir?
Das hängt von einer Frage ab, die die meisten nicht stellen, bevor sie eine App installieren: Willst du hauptsächlich Pflanzen bestimmen – oder willst du deinen Garten langfristig dokumentieren und verstehen? Beide Ziele klingen ähnlich, aber die Apps dafür sind grundverschieden. Wer die falsche wählt, gibt nach dem ersten Einsatz enttäuscht wieder auf.
Im ersten Artikel war die Idee: Foto machen, Pflanze kennen, Pflegehinweis bekommen. Das klingt nach einer Aufgabe, eine App macht das eben. In der Praxis gibt es für diese Aufgabe jedoch ganz unterschiedliche Ansätze – und der Unterschied entscheidet, ob eine App nach zwei Wochen noch geöffnet wird oder im zweiten Bildschirm verstaubt. Drei Apps stehen in diesem Vergleich, weil sie drei echte Varianten abbilden: die kostenlose wissenschaftliche Lösung, das leistungsstarke Rundum-Werkzeug und das Gartentagebuch für alle die wirklich lernen wollen.
Die entscheidende Frage zuerst: Bestimmen oder Dokumentieren?
Pflanzenerkennung und Gartendokumentation sind zwei verschiedene Dinge. Eine App die Pflanzen bestimmt, liefert dir in dem Moment einen Namen und ein paar Pflegetipps – fertig. Eine App die deinen Garten dokumentiert, wird mit der Zeit wertvoller: Sie erinnert dich daran, was letztes Jahr an welcher Stelle stand, warum die Rosen im Juli Probleme hatten und was im Frühjahr als nächstes ansteht. Wer beides von einer einzigen App erwartet, wird häufig feststellen, dass eine Funktion gut und die andere mittelmäßig ist.
Wer eine App installiert und nach dem ersten Abend mit dem Ergebnis unzufrieden ist, weil sie nicht das kann was man eigentlich suchte, gibt in der Regel nicht der Erwartung die Schuld – sondern der App. Der häufigste Fehler ist nicht die falsche App, sondern die falsche Frage vor der Installation.
Die Apps im Vergleich
Pl@ntNet – die kostenlose Lösung aus der Wissenschaft
Pl@ntNet wurde von einem Verbund französischer Forschungseinrichtungen entwickelt und wird als gemeinnütziges Citizen-Science-Projekt betrieben. Das ist kein Marketing-Versprechen, sondern hat praktische Konsequenzen: Die App ist vollständig kostenlos und werbefrei, und die Fotos die Nutzer hochladen fließen in ein offenes Forschungsprojekt zur Biodiversität ein. Bei Wildpflanzen, einheimischen Stauden und allem was botanisch in Europa vorkommt, ist Pl@ntNet besonders stark – die Datenbank umfasst rund 20.000 Arten mit Schwerpunkt auf europäischer Flora.
Die ehrliche Schwäche: Pl@ntNet erkennt keine Zierpflanzen aus dem Gartencenter, exotische Zimmerpflanzen und viele kultivierte Sorten. Wer wissen möchte wie die Pelargonie auf dem Balkon heißt oder welche Düngung der Kirschlorbeer braucht, wird hier oft keine Antwort bekommen. Auch Pflegepläne, Krankheitsdiagnosen und Erinnerungsfunktionen fehlen vollständig – Pl@ntNet ist konsequent auf Erkennung ausgerichtet. Für wen sie die bessere Wahl ist: für alle die hauptsächlich Wildpflanzen, Kräuter und einheimische Stauden bestimmen wollen – und keinen Cent ausgeben möchten.
PictureThis – das Rundum-Werkzeug mit einem deutlichen Vorbehalt
PictureThis ist bei Gartenpflanzen, Zimmerpflanzen und kultivierten Sorten die stärkere Alternative. Die App erkennt nach Herstellerangaben über 400.000 Pflanzenarten und liefert neben dem Namen auch Pflegehinweise, Gießpläne, Krankheitsdiagnosen und Warnungen bei giftigen Pflanzen. Wer ein Foto einer kranken Pflanze macht, bekommt einen Diagnosevorschlag und einen Behandlungsplan – das ist in dieser Breite eine Funktion die Pl@ntNet nicht bietet. Die Bewertungen in den App-Stores sind für eine App dieser Kategorie ungewöhnlich hoch.
Der Vorbehalt ist real und muss klar benannt werden: Die kostenlose Version ist erheblich eingeschränkt. Die Erkennungs-Credits sind limitiert, danach erscheinen Werbeanzeigen oder man wird zu einem Abo gedrängt. Deutsche Nutzer berichten, dass nach sieben Tagen kostenloser Nutzung ein Abo für 25 Euro fällig wird, für die Premium-Version sogar 35 Euro. Wer die App intensiv nutzen will, zahlt also. PictureThis ist sinnvoll, wenn man häufig Pflanzen bestimmt, Pflegetipps regelmäßig braucht und bereit ist, dafür ein Abo abzuschließen.
Gardenize – das Gartentagebuch das mit dir wächst
Gardenize ist anders konzipiert als die beiden anderen Apps – weniger Erkennung, mehr Dokumentation. Das schwedische Unternehmen Gardenize AB hat eine App entwickelt die funktioniert wie ein fotografisches Gedächtnis für den Garten: Man legt Pflanzen an, weist sie Beeten zu, fügt Fotos und Notizen hinzu, setzt Erinnerungen für Pflegemaßnahmen und baut so über Monate und Jahre hinweg ein durchsuchbares Archiv des eigenen Gartens auf. Eine Pflanzenerkennungsfunktion per Foto ist inzwischen ebenfalls vorhanden, steht aber nicht im Mittelpunkt.
Die Schwäche von Gardenize liegt darin, dass der Mehrwert erst nach einigen Wochen regelmäßiger Nutzung entsteht. Wer die App einmal kurz ausprobiert und auf Ergebnisse wie bei PictureThis wartet, wird enttäuscht sein. Nach einer kostenlosen Testphase von 14 Tagen kostet Gardenize zwischen 3,08 Euro pro Monat bei jährlicher Zahlung und 7,99 Euro pro Monat. Gardenize ist sinnvoll, wenn man seinen Garten langfristig verstehen und strukturiert weiterentwickeln möchte – und bereit ist, Zeit in die Erfassung zu investieren.
Vergleich auf einen Blick
| App | Stärke | Pflanzenerkennung | Pflegetipps | Dokumentation | Kosten Einstieg | Server |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Pl@ntNet | Wildpflanzen, einheimische Flora | Gut (Wildpflanzen) | Keine | Keine | Kostenlos | EU (Frankreich) |
| PictureThis | Gartenpflanzen, Krankheitsdiagnose | Sehr gut (Zierpflanzen) | Umfangreich | Eingeschränkt | Kostenlos (eingeschränkt), Abo ca. 25 €/Jahr | USA |
| Gardenize | Langzeit-Dokumentation | Grundfunktion | Eingeschränkt | Umfangreich | 14 Tage kostenlos, dann ab 3,08 €/Monat | EU (Schweden) |
Preisangaben Stand: 03/2026. Alle Apps auch mit kostenpflichtigen Plänen verfügbar. Preise können je nach Plattform (App Store / Google Play / Web) leicht abweichen.
Datenschutz: Was das in der Praxis bedeutet
Pl@ntNet und Gardenize verarbeiten Daten auf europäischen Servern – Pl@ntNet in Frankreich durch ein staatlich gefördertes Forschungskonsortium, Gardenize als schwedisches Unternehmen. Für Fotos aus dem privaten Garten ist das für die meisten Nutzer ausreichend. PictureThis hat seinen Sitz in den USA und verarbeitet Daten auf US-amerikanischen Servern; die kostenlose Version sammelt darüber hinaus Nutzungsdaten für Werbezwecke. Pl@ntNet verwendet hochgeladene Fotos für Forschungszwecke, speichert aber keine persönlichen Daten, es sei denn, man erstellt ein Konto. Wer sensible Standortdaten oder Fotos seines Grundstücks nicht auf US-Servern ablegen möchte, ist mit Pl@ntNet oder Gardenize besser aufgestellt. Für reine Pflanzenfotos ohne Standortbezug ist PictureThis eine akzeptable Wahl – man sollte jedoch die Standortfreigabe in den Einstellungen des Smartphones bewusst verwalten.
Welche App passt zu deiner Situation?
Pl@ntNet ist sinnvoll, wenn du hauptsächlich Wildkräuter, heimische Stauden und Pflanzen in der freien Natur bestimmen willst und keinen Cent ausgeben möchtest. Die App ist vollständig kostenlos und ohne Werbeunterbrechungen nutzbar.
PictureThis ist sinnvoll, wenn du Gartenpflanzen und Zimmerpflanzen regelmäßig bestimmst, Pflegetipps und Krankheitsdiagnosen brauchst und bereit bist, dafür ein Jahresabo abzuschließen. Die kostenlose Version ist für gelegentliche Nutzung kaum ausreichend.
Gardenize ist sinnvoll, wenn du deinen Garten langfristig dokumentieren und Jahr für Jahr besser verstehen möchtest. Der Wert der App entsteht über Zeit – wer schnelle Erkennungsergebnisse sucht, ist hier falsch.
Was als nächstes kommt
Für jede dieser drei Apps gibt es einen eigenen Artikel, der erklärt wie du sie einrichtest, was beim ersten Einsatz auf dich wartet und wo es am Anfang häufig klemmt – damit du nicht nach der zweiten Sitzung aufgibst.
