Komoot, Strava, Google Maps, Bikemap – worauf es bei der Wahl ankommt
Welche App passt zu mir?
Das hängt von einer Frage ab, die die meisten nicht stellen, bevor sie eine App installieren: Nutzt du dein Rad hauptsächlich für Touren ins Unbekannte – oder für Alltagsstrecken in der Stadt? Für Touren und für den Stadtverkehr gibt es sehr unterschiedliche Apps, und wer die falsche wählt, merkt das spätestens beim zweiten Einsatz.
Im ersten Artikel wurde gezeigt, was möglich ist, wenn man einfach losfährt und einer App die Routenplanung überlässt. Dass diese Apps sich stark unterscheiden, wird schnell klar – nicht nur im Funktionsumfang, sondern schon in der grundlegenden Ausrichtung. Wer das vor der Installation nicht weiß, landet möglicherweise mit einer Sportapp im Stadtverkehr oder mit einer reinen Navigations-App bei einer mehrtägigen Radtour. Beides endet mit Kauf-Reue.
Touren-App oder Stadt-Navigation – die Frage vor der Installation
Fahrrad-Apps lassen sich grob in zwei Lager teilen: auf der einen Seite Apps, die für die Planung und Navigation von Radtouren entwickelt wurden – mit Höhenprofilen, Wegbelägen, Community-Routen und Offline-Karten; auf der anderen Seite Apps, die ursprünglich für allgemeine Navigation gebaut wurden und Radfahren als einen von mehreren Fortbewegungsmodi behandeln. Der Unterschied klingt abstrakt, spielt aber im echten Einsatz eine große Rolle: Eine Touren-App schlägt dir einen asphaltierten Feldweg vor, den Radfahrer seit Jahren nutzen. Eine allgemeine Navigations-App schickt dich möglicherweise auf eine Bundesstraße, weil der Weg dazwischen kürzer ist.
Wenn du vor allem in der Stadt fährst – zur Arbeit, zum Einkaufen, gelegentlich quer durch die Innenstadt – brauchst du keine Touren-App. Wenn du neue Gegenden erkunden oder längere Ausflüge planen willst, ist eine reine Navigations-App schnell zu eingeschränkt. Und eine Sport-App wie Strava hat Navigation nur als Nebenfunktion – wer nicht in erster Linie trainiert, zahlt für Dinge, die er nie braucht.
Die Apps im Vergleich
Komoot – der Tourenplaner unter neuer Führung
Komoot war lange die erste Adresse für Radtouren abseits bekannter Wege. Die App nutzt Rückmeldungen ihrer Community für sogenannte Highlights entlang der Route – von Aussichtspunkten bis zu empfehlenswerten Pausenstationen. Die Routenberechnung berücksichtigt Untergrund, Steigung und Fahrertyp. Für Touren im Gelände oder auf unbekannten Strecken ist das nach wie vor stark.
Was sich seit Frühjahr 2025 grundlegend geändert hat: Komoot wurde im März 2025 an das italienische Unternehmen Bending Spoons verkauft. Das neue Modell verlangt von Neukunden ein Abonnement, sobald sie Routen auf externe Geräte wie Garmin oder Wahoo übertragen wollen – eine Funktion, die früher mit einem einmaligen Regionskauf zugänglich war. Wer Komoot nur auf dem Smartphone nutzt, kommt noch mit der Gratisversion aus. Für den vollen Funktionsumfang inklusive Gerätesync kostet das Premium-Abo ab ca. 5 Euro pro Monat. Für Stadtfahrten ohne Gerätesync ist Komoot ohnehin überdimensioniert.
Strava – für alle die ihr Training dokumentieren wollen
Strava ist in erster Linie eine Sport-Tracking-App mit einer sehr aktiven Community. Wer regelmäßig fährt und seine Leistung über Wochen verfolgen will, findet hier detaillierte Analysen, Segmente und den Vergleich mit anderen. Das motiviert – und genau das ist der Kern der App.
Navigation ist bei Strava eine bezahlte Zusatzfunktion. Offline-Karten und Routenvorschläge gibt es nur mit Abo. Der kostenlose Plan deckt das Aufzeichnen von Ausfahrten ab, mehr nicht. Für DACH-Nutzer liegt der Abonnementpreis nach bisherigen Angaben im oberen europäischen Bereich. ⚠️ Aktuellen EUR-Preis für Deutschland vor Veröffentlichung unter strava.com/pricing prüfen. Wer kein Trainings-Tracking braucht, zahlt für Funktionen, die er nie nutzt.
Google Maps – verlässlich in der Stadt, begrenzt auf Tour
Google Maps ist in der Stadt die praktischste Option: Die App kennt aktuelle Baustellen, zeigt Radwege und verkehrsberuhigte Strecken an und ist vollständig kostenlos. Wer in einer unbekannten Stadt navigieren oder schnell eine Alltagsstrecke planen will, kommt damit sehr weit.
Für längere Touren fehlen wichtige Funktionen: Höhenprofile, Wegbelagsinformationen und Offline-Karten sind nicht vorhanden. Google Maps ist keine Fahrrad-App – es ist eine universelle Navigations-App, die Fahrrad als Fortbewegungsmittel mitdenkt, aber nicht priorisiert. Alle Daten werden auf US-Servern verarbeitet.
Bikemap – die Radapp aus Wien, die beides kann
Bikemap kommt aus Wien und ist auf Radfahren spezialisiert – mit über sieben Millionen nutzergenerierten Routen weltweit und einer Oberfläche, die ausschließlich für Radfahrer gebaut wurde. Die App funktioniert sowohl für Alltagsstrecken als auch für Touren, bietet Offline-Karten und lässt sich nach Fahrradtyp optimieren – Stadtrad, E-Bike, Rennrad, Mountainbike.
Die Community ist kleiner als bei Komoot oder Strava, was sich in weniger nutzergenerierten Inhalten in manchen Regionen bemerkbar macht. Außerhalb von Ballungsräumen und beliebten Radregionen kann die Tourenauswahl dünner ausfallen. Die Basisversion ist kostenlos; für Offline-Navigation und erweiterte Kartenstile kostet das Jahresabo rund 39 Euro.
Vergleich auf einen Blick
| App | Touren-Planung | Stadt-Navigation | Offline-Nutzung | Kosten Einstieg | Server |
|---|---|---|---|---|---|
| Komoot | Sehr gut | Eingeschränkt | Ab Premium | Kostenlos (eingeschränkt); Premium ab ca. 5 €/Monat | EU |
| Strava | Gut (ab Abo) | Einfach (ab Abo) | Ab Abo | Kostenlos (Tracking); Navigation ab Abo ⚠️ Preis prüfen | USA |
| Google Maps | Einfach | Sehr gut | Begrenzt | Kostenlos | USA |
| Bikemap | Gut | Gut | Ab Premium | Kostenlos; Premium ca. 39 €/Jahr | EU (Wien) |
Preisangaben Stand: 03/2026. Komoot-Preise: Quelle BikeRadar, März 2025. Bikemap-Preise: Quelle wattmoves.de, Juni 2025. Strava EUR-Preis für Deutschland: vor Veröffentlichung unter strava.com/pricing prüfen.
Datenschutz: Was das in der Praxis bedeutet
Komoot und Bikemap verarbeiten Daten auf EU-Servern und unterliegen der DSGVO. Bei Strava und Google Maps landen Standort- und Bewegungsdaten in den USA – das ist relevant, weil Fahrrad-Apps kontinuierlich GPS-Daten erfassen, also im Lauf der Zeit ein recht genaues Bild deiner täglichen Wege entstehen kann. Für den Arbeitsweg oder regelmäßige Alltagstouren ist das ein Unterschied, ob die Daten in Frankfurt oder San Francisco liegen. Wer sensible Strecken – etwa regelmäßige Besuche bei Ärzten oder Beratungsstellen – nicht teilen möchte, fährt mit Komoot oder Bikemap auf der sicheren Seite. Für gelegentliche Stadtfahrten ist Google Maps im Alltag kaum ein Problem, aber die Datenbasis, die dabei entsteht, wird von Google für andere Zwecke genutzt.
Welche App passt zu deiner Situation?
Komoot ist sinnvoll, wenn du Radtouren in unbekanntem Gelände planst und Routen abseits der Hauptwege suchst. Die Community-Daten machen einen echten Unterschied, sobald man vom asphaltierten Radweg abweicht. Wer Routen auch auf ein Garmin oder Wahoo übertragen will, braucht das Premium-Abo.
Strava ist sinnvoll, wenn du regelmäßig fährst und deine Fortschritte dokumentieren willst. Wer die Trainingsanalyse und den Community-Vergleich nicht braucht, zahlt für Funktionen, die er nie nutzt.
Google Maps ist sinnvoll, wenn du dich in einer fremden Stadt zurechtfinden oder schnell eine Alltagsstrecke navigieren willst. Für Touren stößt die App schnell an ihre Grenzen.
Bikemap ist sinnvoll, wenn du eine reine Rad-App ohne Sportfokus suchst, die sowohl in der Stadt als auch auf Tour funktioniert – und bei der Daten auf EU-Servern bleiben.
Was als nächstes kommt
Für jede dieser Apps gibt es einen eigenen Artikel: wie man sie einrichtet, was beim ersten Einsatz auf einen wartet und wo es am Anfang häufig klemmt. So lässt sich einschätzen, welche App zum eigenen Alltag passt, bevor man die erste Stunde damit verbringt.
