Content Credentials (C2PA): So sollen KI-Bilder & Deepfakes erkennbar werden – und warum das (noch) nicht immer klappt

Kurz & bündig

Frage: Was sind „Content Credentials“ (C2PA)?
Antwort: Das sind digitale Herkunftsnachweise für Bilder, Videos oder Audio. Sie können anzeigen, wie ein Inhalt entstanden ist und ob er z. B. mit KI erstellt oder bearbeitet wurde – technisch abgesichert durch kryptografische

Warum dieses Thema gerade so wichtig ist

KI kann heute Bilder, Stimmen und Videos erzeugen, die täuschend echt wirken. Genau deshalb wünschen sich viele Menschen eine einfache Frage, die man schnell klären kann:

Merksatz: „Ist das echt – oder KI?“ wird zur Alltagsfrage. Content Credentials (C2PA) wollen dabei helfen, indem sie die Herkunft digital sichtbar machen.

Wichtig ist dabei eine realistische Erwartung: C2PA soll nicht „Wahrheit“ garantieren. Es soll nachvollziehbar machen, woher ein Inhalt kommt und was daran verändert wurde – soweit es der Ersteller bzw. das verwendete Tool dokumentiert.

Was ist C2PA – in einfachen Worten?

Stell dir Content Credentials wie einen „digitalen Beipackzettel“ vor. Er kann (je nach Tool und Einstellung) Informationen enthalten wie:

Das Besondere: Diese Angaben sind nicht nur „irgendein Text“, sondern werden technisch so verknüpft und signiert, dass Manipulation auffallen soll (tamper-evident).

Wie funktioniert das grob – ohne Technik-Frust?

Ganz vereinfacht läuft es so:

  1. Erstellen oder Bearbeiten: Ein Tool (z. B. Kamera-App oder Bearbeitungssoftware) schreibt Content Credentials zum Inhalt.
  2. Signieren: Diese Angaben werden kryptografisch signiert, damit man später erkennen kann, ob sie verändert wurden.
  3. Prüfen: Eine Plattform oder ein Prüf-Tool kann die Credentials auslesen und anzeigen – z. B. über ein Icon oder eine Detailansicht.

Das heißt: Wenn du Credentials siehst, bekommst du oft eine Art „Entstehungsweg“. Wenn du keine siehst, kann das zwei Gründe haben:

Wo wird das schon genutzt?

1) LinkedIn: Icon für Inhalte mit C2PA-Daten

LinkedIn hat 2024 angekündigt, C2PA auf der Plattform auszurollen: Mitglieder sollen ein Icon sehen, mit dem sich Ursprung und Bearbeitung (inkl. möglicher KI-Nutzung) nachvollziehen lassen.

2) TikTok: C2PA als Teil der KI-Label-Strategie

TikTok beschreibt öffentlich, dass es mit C2PA zusammenarbeitet, um AI-generierte Inhalte automatisch zu labeln – besonders dann, wenn Inhalte von anderen Plattformen hochgeladen werden und bereits Content Credentials enthalten. TikTok nennt sich dabei „erste Video-Sharing-Plattform“, die diese Content-Credentials-Technologie implementiert.

Später (2025) betonte TikTok erneut, dass C2PA-Metadaten helfen können, KI-Inhalte plattformübergreifend zu erkennen, und nannte auch Größenordnungen zu gelabelten Videos im Rahmen ihrer Maßnahmen.

3) Meta (Facebook/Instagram/Threads): Unterstützung im Umfeld von C2PA

Die C2PA selbst berichtete 2024, dass Meta dem Steering Committee beitritt und Content Credentials nutzt bzw. nutzen will, um bei Bildern auf Facebook, Instagram und Threads Hinweise zu ermöglichen, wenn KI möglicherweise eingesetzt wurde.

4) „Die unsichtbare Infrastruktur“: Warum Cloudflare plötzlich relevant wird

Ein praktisches Problem ist: Viele Webseiten und Plattformen optimieren Bilder (Größe, Kompression, Umwandlung). Dabei können Metadaten verschwinden. Cloudflare hat deshalb eine Option eingeführt, die ausdrücklich darauf zielt, Content Credentials beim Ausliefern/Transformieren zu bewahren.

Der wichtigste Haken: Warum die Kennzeichnung heute oft nicht ankommt

Ein starkes Beispiel lieferte eine Recherche der Washington Post (Oktober 2025): Dort wurde ein KI-generiertes Fake-Video auf mehrere große Plattformen hochgeladen – obwohl das Video Content Credentials enthalten sollte. Ergebnis: Fast nirgends wurde das sichtbar, teils gingen Marker offenbar verloren oder wurden nicht angezeigt; bei YouTube tauchte ein Hinweis nur schwer auffindbar in der Beschreibung auf.

Tipp: Wenn du irgendwo ein „CR“-Symbol oder einen Hinweis auf Content Credentials siehst, lohnt sich ein Klick. Wenn du nichts siehst, heißt das nicht automatisch „echt“ – es kann auch einfach „ohne Nachweis“ oder „Nachweis verloren“ bedeuten.
Wenn man mit der Maus über das Zeichen geht, werden Informationen angzeigt:

So kannst du es selbst prüfen (ohne Fachwissen)

1) Online prüfen: „Verify“ (Drag & Drop)

Die Content Authenticity Initiative bietet ein Prüf-Tool an, in das du Inhalte hineinziehen kannst. Dort werden vorhandene Content Credentials angezeigt – inklusive Änderungen über die Zeit (wenn vorhanden).

2) Im Browser prüfen: Chrome-Erweiterung

Es gibt eine Erweiterung im Chrome Web Store, die beim Rechtsklick „Verify Content Credentials“ anbietet und (wenn vorhanden) die eingebetteten Manifeste validiert. Das ist praktisch, wenn du öfter prüfen willst. S. Screen oberhalb

Hier sieht man Beispiele – wenn man die Chrome Erweiterung installiert hat, kann man auf das Bild klicken und dann über die rechte Maustaste erkennen, dass es sich um KI Bilder handelt.

Was Content Credentials gut können – und was nicht

Was gut klappt

Wo die Grenzen liegen

Merksatz: Content Credentials sind ein starkes Werkzeug für Transparenz – aber sie schützen dich nur dann, wenn die Kennzeichnung auf dem Weg zu dir nicht „abhanden kommt“.

Fazit: Ein guter Standard – aber noch nicht „die einfache Lösung für alle“

C2PA / Content Credentials ist einer der wichtigsten Versuche, KI-Inhalte und Manipulationen nachvollziehbar zu machen – und große Plattformen haben Schritte in diese Richtung angekündigt oder umgesetzt (z. B. LinkedIn, TikTok; Meta im C2PA-Umfeld).

Gleichzeitig zeigen Recherchen, dass die Kennzeichnung in der Praxis oft nicht durchgängig ankommt – weil Marker verloren gehen oder nicht angezeigt werden.

Für dich als Nutzer ist das die beste Haltung: Wenn du Credentials siehst, nutze sie. Wenn du keine siehst, bleib kritisch und prüfe Quelle und Kontext – besonders bei emotionalen oder „zu krassen“ Inhalten.

Persönliche Anmerkung:

Es gibt zwar mit „Content Credentials“ (C2PA) bereits einen offiziellen Standard, der KI-Inhalte per Signatur erkennbar machen soll. Wir haben das getestet – allerdings werden diese Signaturen beim typischen Bearbeiten und Verkleinern von Bildern für Websites oder beim Hochladen häufig entfernt oder später nicht sichtbar angezeigt.

Die Idee einer offiziellen, technisch überprüfbaren Kennzeichnung von KI-Bildern ist genau der richtige Weg. Gleichzeitig zeigt sich im Alltag: Das Ganze steckt noch in einer frühen Phase und funktioniert noch nicht überall so zuverlässig, wie es dafür nötig wäre. Wir bleiben an der Thematik dran – und sobald es einen praktikablen Standardweg gibt, setzen wir ihn ein

Glossar

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